Hypertrophe Kardiomyopathie bei Katzen (HCM)

Links: normales Herz, Rechts: Hypertrophe Kardiomyopathie

Hypertrophe Kardiomyopathie bei Katzen

 

Am 30.05.2000 hielt Dr. Kittleson (USA) in der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Utecht eine Vorlesung über HCM bei Katzen.

Die Vorlesung war von der niederländischen "Stichting Felissana" eigens für Katzenzüchter organisiert worden. Barbara Kirch hat diese englischsprachige Vorlesung zusammengefasst und für deutsche Züchter verständlich gemacht.

 

Die hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) ist bei Katzen seit vielen Jahren bekannt. Die Maine Coon soll nicht als besonders betroffene Rasse herausgestellt werden, denn es sind auch andere Rassen wie (Norweger, Devon Rex, British Kurzhaar, Haukatzen etc.) davon betroffen.

 

Wesentliche Krankheitszeichen sind eine Verdickung der Wand der linken Herzkammer (Ventrikel), die sowohl global als auch regional sein kann (das ist zwischen Rassen und auch zwischen einzelnen Katzen einer Rasse verschieden), eine Verdickung der Papillarmuskeln, eine systolische Vorwärtsbewegung der Mitralklappe (systolic anterior movement; SAM), schließlich eine Vergrößerung der linken Herzkammer und letztendlich Herzschwäche und Herzversagen. Bei der echokardiographischen Untersuchung werden die Messungen diastolisch, also bei erschlafftem Herz durchgeführt.

 

Das SAM führt übrigens zu einem abnormen Blutrückfluß durch die Mitralklappe während der Austreibungsphase bzw. Kontraktionsphase und ist die Ursache des Herzgeräusches.

Klinische Zeichen treten erst auf, wenn die Krankheit schon weit fortgschritten ist. 
 

Der Tod an HCM kann durch drei Mechanismen erfolgen:  

 

- plötzlicher Herztod, z.B. durch Rythmusstörungen, Kammerflimmern
 

  - Herzversagen (Symptome sind Herzrasen, beschleunigte Atmung,  
    Kurzatmigkeit, Lungenödem
 und Pleuraerguß)

   - Thrombenbildung, einerseits im linken Vorhof durch abnorme
      Blutflüsse und den Rückstau des 
Blutes mit Erweiterung des Vorhofs
      und verlangsamtem Blutfluß, andererseits in der Kammer 
bei

hochgradiger Erweiterung und Herzschwäche. Die Thromben im Vorhof können abgelöst

             werden und in den arteriellen Kreislauf verschleppt werden (so kommt der sog. Satteltrombus an
             der Aufzweigung der Becken- und Beinarterien mit Lähnmung der Hinterbeine zustande).


 

Wie fing es mit der Erforschung von HCM bei Katzen an?


Eine Dame in Conneticut namens Marcia hatte eine Maine Coon, die an HCM erkrankte. Sie informierte sich über die Krankheit und fand heraus, daß sie bei Menschen erblich ist. Also fragte sie bei der Züchterin nach, aber der war nichts in ihrem Zwinger aufgefallen. Sie liess aber nicht locker, ging auf Ausstellungen, sprach Leute an, die Geschwister oder Verwandte ihrer Katze hatten, und hatte bald 5 verwandte Katzen, die an  HCM erkrankt waren, gefunden..

Dann ging sie auf Dr. Kittleson zu und fragte ihn, ob er nicht Interesse hätte, dies genauer zu erforschen.
Der rückte mit Crew und Echogerät bei der Züchterin in Conneticut an und untersuchte an einem Wochenende sämtliche Zuchtkatzen, dabei stellte sich heraus, daß von 35 Katzen 7 befallen waren.

 

Das weckte sein Interesse und er beschloß, sein eigenes Zucht- und Forschungsprogramm auf die Beine zu stellen: Ein befallener Kater wurde mit drei befallenen Kätzinnen verpaart, die Kitten wurden behalten, um eine Zuchtkolonie zu gründen. Im Labor hat das aber nicht so richtig geklappt, der Kater war bereits herzinsuffizient und wollte nicht decken, obwohl die Katzen rollig waren. Frau Kittleson meinte, das wäre ja auch kein Wunder, bei den Bedingungen! Menschen wollten es ja auch ein wenig romantischer haben, mit Kerzenschein und so....

Also nahm Dr. Kittleson die Katzen zu sich nach Hause, die Vermehrung klappte und am Schluß waren es wohl 19 Stück. Wohl auch durch den hohen Inzuchtgrad kam es auch zu anderen Mißbildungen. Ein Kater war darunter, der keine HCM, aber eine Mißbidlung namens Genu recurvatum  hatte, also Knie und Ellenbogen nicht beugen konnte, den hat er wohl behalten. Die gesunden Kitten wurden meistens weitervermittelt, die erkrankten für das Forschungsprojekt behalten. Die Zuchtversuche ergaben eindeutig ein autosomal dominantes Vererbungsmuster. 

 

Bei der Verpaarung von befallenen mit unbefallenen Katzen ergaben sich:

 

            - keine Krankheitszeichen, bevor die Katze ein Jahr alt war
            - trat die Krankheit gewöhnlich in Erscheinung, bevor die Katze zwei Jahre alt war.
            - War die HCM gewöhnlich schwer bzw. fortgeschritten vor dem zweiten bis vierten Lebensjahr 

 

Bei der Verpaarung von befallenen mit befallenen Katzen war es noch schlimmer:

 

        - die Krankheit manifestierte sich teilweise schon im Alter von drei Monaten, 
        - schritt zwischen 6 und 18 Monaten zu einer schweren Erkrankung fort, 
        - sowohl Kater als auch Katzen entwickelten insgesamt früher eine schwere Erkrankung.

 

Insgesamt erkrankten etwas mehr Kater als Katzen. Die Katzen starben entweder am plötzlichen Herztod oder an Herzversagen, Tod durch Thromben oder deren Verschleppung wurde bei diesen Katzen nicht gesehen. Bei der Untersuchung der Herzen zeigte sich bei allen Katzen die Unordnung der Herzmuskelfasern und die Atherosklerose der kleinen Coronararterienäste in der Wand, die als Zeichen einer erblichen HCM angesehen werden.

 

Das vorherrschende echokardiographische Zeichen war die Verdickung der Papillarmuskeln (Anmerkung: das sind zwei kegelförmige Muskeln, die in die Herzkammer hineinragen, und an denen die Sehnenfäden der Mitralklappe ansetzen, man kan sich diese Sehnenfäden etwa wie Abspannleinen bei einem Zeltdach oder wie die Seile beim Fallschirm vorstellen). Durch diese Verdickung wird die Klappe während der Systole (Anspannungs- bzw. Austreibungsphase) nach Innen gezogen und schließt nicht richtig, es kommt zu einem Rückfluß von Blut in den Vorhof, den man dopplerechokardiographisch messen kann ("Farbdoppler"). Außerdem entseht so das Herzgeräusch.

Der Rückfluß und das Herzgeräusch sind abhängig von der Herzfrequenz, also wie schnell das Herz klopft, der Fluß wird stärker und das Geräusch höher, wenn die Katze aufgeregt ist und langsamer bzw. niedriger, wenn die Katze ruhig ist und das Herz langsamer schlägt.

 

Die anderen Teile der Kammerwand waren eher weniger und wenn, dann unregelmäßig verdickt (Grenzwert laut Dr. Kittleson: 5 mm). Insgesamt hielt Dr. Kittleson die Papillarmuskelverdickung und die Klappen- -eränderung (SAM mit Rückfluß) für entscheidende echokardiographische Kriterien. Die Verdickung der Restwand sei manchmal, vor allem in frühen Fällen, gar nicht so auffällig. Leider konnte er für die Papillarmuskleverdickung keine Grenzwerte nennen, das sei wohl Erfahrungssache.
 

Zu den Fragen:


Auf die Frage, was man denn als Züchter machen solle, wenn man vor allem junge Tiere testen lassen will, die am Ende nur ganz geringe Veränderungen haben, gab er zu daß dies ein Problem sei. Deshalb wird an der Entwicklung eines Gentest gearbeitet, denn wenn man das Erkrankte Gen gefunden hat bzw. nachweisen kann, kann man in jedem Alter feststellen, ob die Katze HCM vererbt. Bislang werden alle Genorte bzw. Chromosomen, von denen man weiß, daß auf ihnen Mutationen für menschliche HCM liegen, untersucht, aber bisher ist man noch nicht fündig geworden.

 

Gibt es HCM bei anderen Rassen ? JA! Dr. Kittleson hat seine Forschungen inzwischen auf American Shorthair ausgeweitet. Er vermutet, daß es HCM auch bei anderen Rassen gibt. Mit denen arbeitet er aber nicht, kann also nichts genauses sagen. Interessant ist, daß die Krankheit bei der Maine Coon in der Regel einen bösartigeren Verlauf nimmt, sich in jüngerem Alter manifestiert. Bei den American Shorthair kann es Jahre dauern, bis die Krankheit manifest wird.

 

Als Grund für die unterschiedliche Ausprägung der Krankheitssymptome inerhalb einer Rasse wird die Einwirkung von modifizierten Polygenen angenommen. Dr. Kittleson geht davon aus, daß es sich innerhalb einer Rasse immer um dieselbe Mutation handelt, wie bei Menschen innerhalb einer Familie.

 

Eine niederländische Züchterin berichtet von einem Zuchtpaar, inzwischen sechs oder sieben jahre alt, die selbst keine klinischen oder echokardiographischen Krankheitszeichen haben, aber wohl Würfe mit erkrankten Kitten hatten. Das konnte er nur mit unvollständiger Penetranz des gens erklären oder damit, daß die Elten eben nicht genau genug untersucht worden seien. Das sei nochmals ein Grund, endlich den Gentest zu finden, damit eben auch solche Tiere erfaßt werden könten. Eine Neumutation sei eher unwahrscheinlich.

 

Bei der Gelegenheit wurde noch erwähnt, daß ein EKG wohl die Vergrößerung und Erweiterung des Herzens in der Endphase, aber keine frühen Veränderungen oder Papillarmuskelvergrößerung anzeigen könnte und deshalb zu ungenau ist.

 

Kriterien für die postmortale Diagnose von HCM sind vor allem das Herzmuskelgewicht, die Wanddicke ist nicht so geeignet, da sich der Herzmuskel im Tod zusammenzieht. Normale Katzenherzen wiegen weniger als 20g, ab 30g bis 40g ist von einer schweren HCM auszugehen (dazwischen liegt wieder einmal eine Grauzone).


Wie soll eine Katze behandelt werden, wenn HCM diagnostiziert worden ist ?


Taurin nützt nichts, Taurinmangel ruft eine ernährungsbedingte dilatative Kardiomyopathie hervor (war früher häufig, bis der Zusammenhang entdeckt und das Katzenfutter entsprechend ergänzt wurde). Eine symptomatische Behandlung ist in der Frühphase mit ß-Blockern und Diuretika möglich, damit daß Herz entlastet wird, man hofft, daß damit auch die Vergrößerungstendenz der gesunden Herzmuskelzellen und damit das fatale Herzwachstum verlangsamt werden. Bei manifester Herzinsuffizienz gibt man ACE (Angiotensin converting enzyme)-Hemmer.

 

Wann soll man testen ? Dr. Kittleson empfiehlt, Kater mit zwei Jahren und Katzen mit drei Jahren zu testen. 
In diesem Alter hätte sich die Erkrankung in der Regel manifestiert bzw, man fände im Echo entsprechende

Veränderungen. Es würde eigentlich keinen Sinn machen, früher zu testen (Anm: dies ist ein Zitat).

 

Wenn die Katzen in diesem Alter frei wären, hätte man eine gute Chance (80%-90%), daß sie kein HCM bekommen, ganz sicher könne man natürlich nie sein. 

Verläufe mit spätem Auftreten der Symtome wären bei Maine Coon sehr selten. Diese Form der HCM wird nicht durch Ernährung oder Infektionen hervorgerufen, sondern ist eben erblich.

 

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